Der Aufbau einer Jugendabteilung in einem Sportverein muss zwingend gut vorbereitet werden. Dieser Hinweis gleich zu Beginn ist deswegen wichtig, weil kleine und mittelgroße Vereine eben keine straff geführten Organisationen sind. Vieles passiert nach dem Motto „Wir fangen einfach mal an und gucken, wie es läuft“. Oft ist das gar keine schlechte Idee, um neuen Schwung in den Laden zu bringen.

Der Aufbau einer Jugendabteilung kann auf diese Weise aber nicht gelingen. Eine Jugendabteilung hat nur dann Bestand, wenn sehr schnell die „kritische Masse“ erreicht wird, also eine hinreichend große Zahl an Kindern beziehungsweise Jugendlichen. In Mannschaftssportarten wie Fußball ist das offensichtlich. Kinder werden nicht geduldig warten, bis irgendwann genügen Mitglieder angemeldete sind, um eine Mannschaft melden zu können. Aber auch ansonsten zeigt sich, dass eine Jugendabteilung nur dann attraktiv ist, wenn sich an Trainingsabenden stets genügend Gleichgesinnte zusammenfinden. Ansonsten verlieren die Kinder schnell die Lust. Das Ziel muss also lauten, schnell von 0 auf 100 zu kommen.

 

An der Demographie liegt es nicht

Schaut man sich die Zahl der Kinder bis 14 Jahren in Deutschland an, so erreichte diese in den Jahren 2012 bis 2014 ein Minimum. Seitdem nimmt die Zahl der Kinder wieder zu. Das liegt nicht nur an der wieder steigenden Zahl der Geburten, sondern auch an der Zuwanderung. Immerhin haben die Kultusminister eingestanden, sich bei der Prognose der Schülerzahlen der nächsten Jahre um eine Millionen verschätzt zu haben – eine Million Kinder mehr als gedacht, daraus lässt sich doch auch für Ihren Verein etwas machen! Dazu müssen Sie aber auch die zwei wachsenden Gruppen im Auge behalten: Kinder in Migrantenfamilien und die leider zunehmende Zahl von Kindern, die in relativer Armut leben. Wichtig ist also, Ihr neues Angebot in beiden Gruppen bekannt zu machen. Meist sind die Schulen gerne bereit, Vereine dabei zu unterstützen. Außerdem sollten Sie sich durch die Bürokratie wühlen, um die Förderung über das so genannte „Teilhabepaket“ in Anspruch nehmen zu können, über das Freizeitaktivitäten von Kindern staatlich gefördert werden, wenn die Eltern sich dies nicht leisten können. Aber sehen Sie es einfach positiv: Der bürokratische Aufwand für die paar Euro pro Kind ist so hoch, dass die Ämter geradezu verzückt sind, wenn irgendjemand sich da tatsächlich durch kämpft. Und ab dem zweiten oder dritten Antrag geht es dann doch recht flott!

 

Organisatorische Vorarbeiten

Nachdem Sie alle kommunalen Ansprechpartner bei Schulen, Behörden, Verbänden und der Presse identifiziert haben und ihre Mitgliederwerbung starten kann, sind noch einige organisatorische Vorbereitungen vor dem Start erforderlich.

1. Satzung ändern und Jugendordnung beschließen

Sie werden die Vereinssatzung ändern müssen und eine separate Jugendordnung beschließen müssen. Dabei ist zu klären, welche Organe die Jugendabteilung haben soll. In kleinen Vereinen genügen ein Jugendwart und ein Jugendsprecher, in größeren Vereinen kann ein Vorstand der Jugendabteilung nötig sein. Genau festgelegt werden muss auch, welches Stimmrecht der Vertreter der Jugendabteilung im Gesamtvorstand haben soll. Der Jugendsprecher ist im Allgemeinen noch nicht voll geschäftsfähig, woraus sich Einschränkungen bei einigen Abstimmungen ergeben. Außerdem sollte die Jugendabteilung über einen eigenen Etat verfügen und diesen selbstbestimmt verwalten. Daher sollte auch genau festgelegt sein, welche Mittel in diesen Etat fließen.

2. Trainer beziehungsweise Übungsleiter ausbilden

Die Sportverbände legen in Eigenverantwortung fest, welche Qualifikationen Jugendtrainer und Übungsleiter nachweisen müssen. Nahezu alle Verbände bieten auch die entsprechenden Lehrgänge an und vergeben nach erfolgreicher Teilnahme die Lizenzen. Die Anforderungen können in den Sportarten hoch sein, in denen ein unsachgemäßes Training gesundheitliche Risiken birgt. Stellen Sie also sicher, dass in allen angepeilten Altersstufen eine qualifizierte Betreuung gewährleistet ist.

 

Tipps aus der Praxis

Anschließend zwei wichtige Tipps aus der Praxis, die sich oft als hilfreich erwiesen haben.

1. Gehen Sie in Ganztagsschulen!

Die Schulleitung einer Ganztagsschule ist meist für jedes Nachmittagsangebot dankbar. Sie sollten daher prüfen, ob Ihre Übungsleiter (oder auch einfache Vereinsmitglieder) irgendwelche Freizeitaktivitäten in Schulen anbieten können. Die Voraussetzungen dafür sind nicht hoch, da es sich bei den Nachmittagsangeboten um keinen Schulunterricht handelt, sondern um Freizeitgestaltung. Etwas salopp formuliert reicht so ziemlich jedes Zertifikat, mit dem Sie nachweisen, sich ein wenig damit auszukennen, was Sie in der Schule vorhaben.

2. Problematische Elterngespräche

Insbesondere die jüngeren Altersgruppen sind schnell zu begeistern. Es gibt in vielen Sportarten ein merkwürdiges Paradoxon: Die wirklich talentierten Kinder sind begeistert und widmen ihrem neuen Hobby anfänglich sogar zu viel Zeit. Das führt gelegentlich dazu, dass die schulischen Leistungen kurzfristig ein wenig leiden. Deswegen werden besonders talentierte Kinder oft von den Eltern frühzeitig wieder abgemeldet. Zu früh! Denn später kehrt sich diese Entwicklung gewöhnlich um und die schulischen Leistungen werden sogar deutlich besser. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Es gibt zu diesem Thema viele wissenschaftliche Quellen. Googeln Sie einfach nach der Begriffskombination „Kinder Sport schulische Leistung“ – Sie finden viele Argumente, um die Eltern (hoffentlich) zu überzeugen. Immer wird Ihnen das aber nicht gelingen – schließlich ist der Benedikt doch hochbegabt und Sie und Ihr blöder Verein sind schuld, dass er die Zeit zwischen dem Klavierunterricht und dem Chinesisch-Kurs mit Fußball verplempert!

 

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